Trauminseln und Inselträume: Hawaii und Berlin
Inselparadies Pfaueninsel (3)
(Abbildung 1: Johann Gottfried Schadow (1764–1850): „Harry von den Sandwich-Inseln, en face und im Profil nach links“)
(Abbildung 2: Nachricht Wilhelm von Humboldts an Christian Rother am 15. April 1827)
Auch die Dokumente über den „Sandwich-Insulaner“ sind von Nüchternheit geprägt und beschreiben einen wenig exotischen Lebensweg. Zunächst wohnte Harry im Dienstgebäude der „Preußischen Seehandlung“ bei der Familie von Christian Rother, dem Präsidenten der Seehandlung, in der Jägerstraße an der Ecke zum Gendarmenmarkt. 1825 begann sein Schulunterricht im „Erziehungshaus vor dem Halleschen Tor“, in das er zwei Jahre später auch umzog. Da man mit seinen Fortschritten in der deutschen Sprache nicht zufrieden war, bat Rother den Sprachforscher Wilhelm von Humboldt, Harry Nachhilfeunterricht zu geben. Erhalten ist die Nachricht, mit der Humboldt am 15. April 1827 zusagte:
Wollten mir Ew. Hochwohlgeboren heute Nachmittag um 6. Uhr Ihren Harry schicken, so möchte ich meine Künste mit ihm versuchen. Gienge es heute nicht, so bitte ich um ihn um die gleiche Stunde nächsten Dienstag. Mit meinen besten Wünschen zur Reise u. der herzlichsten u. hochachtungsvollsten Freundschaft der Ihrige, Humboldt
Allerdings bekam Maitey keine Nachhilfe im Deutschen, sondern wurde nach Wörtern der hawaiischen Sprache gefragt. So entstand das „Sandwich-Wörterverzeichnis“, das Humboldt 1828 in der Berliner Akademie der Wissenschaften vorstellte. Später nannte er in seinen Studien zu den malayo-polynesischen Sprachen „Harres Maitai“ als seine wichtigste Quelle für das Hawaiische.
(Abbildung 3: Neue Kirche und Königliches Schauspielhaus 1833)
Das Jahr 1830 brachte für den jungen Harry zwei wichtige Ereignisse. Am 30. April wurde er in der Neuen Kirche am Gendarmenmarkt getauft und konfirmiert. Obwohl sich König Friedrich Wilhelm III. dagegen
ausgesprochen hatte, erhielt er mit der Taufe die deutschen Vornamen Heinrich und Wilhelm. Gleichzeitig wurde auf dem Taufschein der 30. April 1807 als sein Geburtsdatum festgelegt. Im August wurde Maitey in
den königlichen Haushalt übernommen, gleichzeitig wies man ihn als Assistenten dem Maschinenmeister auf der Pfaueninsel zu.
Mit dieser Insel werden Bilder wie „preußisches Paradies“ oder „preußisches Arkadien“ verbunden, da sie Friedrich Wilhelm III. mit verschiedenen Gartenanlagen ausstatten und dort exotische Tiere versammeln ließ. Deshalb wird gelegentlich angenommen, dass der„Sandwich-Insulaner“ für das Inselparadies ebenfalls als „Exot“ bereichern sollte. Dabei wird übersehen, dass Maitey nur wegen einer nicht bestandenen Prüfung nicht in den Hofdienst kam. Nun also wurde er – ganz unparadiesisch – vom Maschinenmeister Friedrich als Drechsler, Schlosser und Tischler ausgebildet.
Nach der Heirat mit Dorothea Charlotte Becker, der Tochter des Tierwärters, im Jahre 1833 wurde die Pfaueninsel vom Lebens- zum Arbeitsort, denn das junge Paar zog nach Klein-Glienicke. Ob es nur am längeren Arbeitsweg lag, dass Maitey immer öfter nicht auf der Insel erschien, ist unbekannt. Es führte jedenfalls zu Spannungen mit Friedrich, der sich schließlich offiziell beschwerte. Daraufhin wurde Maitey dem königlichen Hofgärtner Fintelmann zugeordnet.