Hula in der Diaspora

“Hula Lernen gerne, aber wie?”  das fragen sich immer mehr Interessierte.

Die Angebote, als Neueinsteiger hierzulande Hula zu erlernen,sind heute bereits zahlreicher, als noch vor 10 Jahren. Dies ist an sich ein begrüßenswerter Trend. Dabei gibt es zum Teil jedoch große Unterschiede, was Niveau und Zielsetzung der Programme, sowie Kompetenz und Motivation der Unterrichtenden angeht. So gibt es zahlreiche “light and easy” Angebote für Diejenigen, die Freizeitspaß mit Südseeflair ohne große tänzerische Herausforderung suchen.

Für ambitionierte Hula Begeisterte im deutschsprachigen Raum ist es oft schwierig, ein Unterrichtsangebot zu finden, an dem man regelmäßig und häufig teilnehmen kann, bei dem die tänzerischen Grundlagen technisch korrekt und didaktisch ansprechend  vermittelt werden, sowie kulturelle Hintergrundinformationen gut recherchiert und in deutscher Sprache zusammengestellt, zur Verfügung gestellt werden. Diese Voraussetzungen ermöglichen es, sich stetig fortzubilden und das eigene “Können” zu verbessern.

Workshops mit Kumus aus Hawai`i

Ein unvergleichliches Erlebnis ist der Besuch von Workshops bei Kumus aus Hawai`i, die Europa in den vergangenen Jahren glücklicherweise immer häufiger besuchen. Ihre Lebenserfahrung als Hula Praktizierende und ihr gelebtes Aloha jenseits aller Kursinhalte live zu erleben, ist häufig schon allein die Anreise und die Gebühren wert.

Kumus aus Hawai`i unterrichten in ihren Workshops meist ein sehr heterogenes Teilnehmerfeld verschiedenster Levels und Motivationen. Dies und die Tatsache, dass viele Teilnehmer erwarten, neue Choreografien zu erlernen, führen häufig dazu, dass Basistechniken hier kaum erlernt werden können und bestehende Vorkenntnisse nicht korrigiert werden.

So profitieren von solchen Kumu Workshops in erster Linie sehr fortgeschrittene Tänzer, die dem Unterrichtsfluss schnell folgen können, da sie über eine gefestigte Grundtechnik und viel Choreografie-Erfahrung verfügen und ihnen die kulturellen Hintergründe bereits weitestgehend bekannt sind.

Lernen vom Video

Videounterricht via DVD, youtube etc. bietet der Schülerin keine Möglichkeit des Feedbacks durch den Lehrer, selbst wenn Korrektur gewünscht und erforderlich ist. Sinnvoll ist diese Art des “One-Way” Unterrichts höchstens zur Auffrischung bereits vom Lehrer erlernter Choreografien, jedoch keineswegs für Anfänger zum Erlernen der richtigen Tanztechnik.

Was man glaubt gesehen und verstanden zu haben, kann häufig deutlich von dem abweichen, was der Lehrer vermitteln wollte und was vielleicht auch tatsächlich zu sehen war.

Auch ist hier keine Möglichkeit der Nachfrage seitens des Schülers gegeben, die zum Verständnis und Verinnerlichen des Inhalts von großer Hilfe sein kann. Lehrvideos sind also bestenfalls als Gedächtnisstütze oder generelle Anregung geeignet und können die live Unterrichtssituation niemals ersetzen.

Lernen aus Büchern

Dass man Tanztechniken nicht gut aus Büchern erlernen kann ist selbsterklärend. Aber auchrelevante Quellen zur Recherche des kulturellen Hintergrundes des Hula sind bisher nicht auf deutsch erschienen und daher für Interessierte mit bescheidenen Englisch- und `Olelo Hawai`i Kenntnissen kaum zugänglich.

Einige deutschsprachige Publikationen und Unterrichtsangebote nähern sich dem Thema Hula vom esoterischen Standpunkt, wobei die technisch korrekte Ausführung der Tanztechnik und wahrheitsgemäße historisch-kulturelle Zusammenhänge oft keine große Rolle zu spielen scheinen.

Was pono ist

Ein sensibler und sorgfältiger Umgang mit dem kulturellen Erbe, das die Hawaiier so freiherzig mit uns teilen, sollte oberste Priorität haben.

Die Wertschätzung für die Kultur Hawai`is zeigt sich bereits in  Äußerlichkeiten, wie der Wahl von geschmackvoller, zum dargebotenen Lied passender Kleidung (keine Karnevalskostüme).

Wer sich oder seiner Gruppe einen hawaiischen Namen gibt, sollte z.B. wissen, wo ein `Okina platziert wird und wo nicht.

Informationen zu Liedtexten, Geschichte usw. sollten aus zuverlässigen Quellen stammen und möglichst selbst recherchiert werden. Vielzitierte Plattitüden und Halbwahrheiten verschaffen keine neuen Einsichten.

Hula ist eine tiefgründige Kunst, auch wenn es ein Zeichen höchster Qualität ist, wenn er mühelos wirkt.

Mein Anliegen ist es, ernsthaften Schülern Hula weitestgehend so zu vermitteln, wie er auch auf Hawai’i in einem Halau gelehrt wird. Nur so glaube ich, dieser wunderschönen Tanzkunst gerecht zu werden und dabei zu helfen, dass man bei dem Wort “Hula” nicht mehr in erster Linie an einen bunten Reifen denkt.

Dafür ist es wichtig, zunächst gute tänzerische Grundlagen zu schaffen, um darauf aufbauend Choreografien zu erlernen. Parallel dazu ist es von großer Bedeutung, sich mit der Sprache und Geschichte Hawai`is zu beschäftigen.

Hirn + Muskeln + Eleganz = Hula

Ohne Verständnis für die Bedeutung der Bewegungen und ihre Grundlage im Text bleibt Hula seelenlos und leer wie ein Schattentanz. Ohne korrekte Tanztechnik, Musikalität und Grazie bleibt Hula ein Ablaufen von Figuren ohne ästhetischen Anspruch und ohne viel Genuss für das Publikum. Hula fordert also auf gleiche Weise Körper, Geist und Seele – kein leichtes Unterfangen, aber jeglicher Anstrengung wert.

 

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