Vlies, eine Alternative zu Kapa

Seit den 80er Jahren verwenden viele Halau als Ersatz für echtes Kapa ein Vliesmaterial, welches in den USA auch unter dem Markennamen „Pellon“ bekannt ist.

Von dieser Information ausgehend habe ich nach einer auf dem deutschen Markt erhältlichen Variante gesucht und bin zunächst bei der weithin bekannten“Vlieseline“ gelandet.

Es gibt sie in vielen unterschiedlichen Qualitäten, flauschig, steif, mit Klebebeschichtung und ohne usw. Für unsere Zwecke eignet sich ausschließlich eine dünne, aber steife Qualität, ohne Klebebeschichtung. In Frage kommen hier drei Stärken, die sich in Dicke und Festigkeit unterscheiden.

Tapa7.1Diese Qualität ist reinweiß und liegt 90 cm breit und wird für 4,95 e pro Meter in Geschäften und online angeboten.

Im „Welt der Stoffe“ an der Osloer Strasse in Berlin-Reinickendorf habe ich eine Ware ohne Markenbezeichung gefunden, die in Qualität, Farbe und Breite der mittleren Vlieseline entspricht, aber nur 3 € pro Meter kostet.

Mit diesem Material habe ich Färbe- und Druckexperimente durchgeführt.

Zum Färben benutzte ich Simplicol in „dunkelrot“ (2,90 € für eine Menge, die 300-600g Stoff färbt) und habe 1 Stunde im Eimer nach Anleitung gefärbt.Tapa6.1

Das Ergebnis würde ich als „unerwartet, aber auch schön“ bezeichnen. Der Farbton des Vlieses ist nicht annähernd dunkelrot, sondern ähnelt dem Fruchtfleisch der Guave, eine Art gelbliches Rosa. Vermutlich ist diese Abweichung der Zusammensetzung des Vlieses geschuldet, welches zu 100% aus synthetischen Fasern besteht. Die Simplicolfarbe ist für Naturmaterialien oder Mischgewebe mit maximal 50% Synthetiks gedacht. Erstaunlich ist dabei, dass der Farbton sehr natürlich und gar nicht chemisch wirkt, fast so, als hätte man mit pflanzlichen Farbstoffen gefärbt.Tapa5.1

Die Oberfläche des Vlieses hat einen sehr zarten Glanz, im Griff fühlt es sich fast wie feines Leder an und im ungebügelten Zustand sind Knitterlinien sichtbar, die an die unregelmäßige Oberfläche von Kapa erinnern.

Im zweiten Veredelungschritt habe ich das Probestück bedruckt, und zwar sowohl mit echten `Ohe Kapala Stäben, als auch mit einem ganz ordinären Stempel. Tapa4.1

Hier präsentiere ich Euch das Ergebnis – mir gefällt es gut, wenn auch ein wenig blass. Allerdings wirkt es dadurch fast echter, als wenn die Farbe gleichmäßig und tief gedeckt wäre.Tapa3.1

Wie es als Überrock über der weinroten Seite unseres Halau-Rocks aussehen könnte habe ich Drapierung hier angedeutet.Tapa2.1

Dass Kapa im alten Hawai´i auch als Bettdecke Verwendung fand, bestätigte sich übrigens gegen Ende meines Experiments völlig selbsttätig…Tapa8.1

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